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Darmgesundheit beim Pferd: Warum sie für die Gesamtleistung entscheidend ist

Darmgesundheit beim Pferd ist mehr als nur Verdauung. Sie beeinflusst Immunsystem, Verhalten, Fellqualität und Leistung. So pflegst du Magen und Darm deines Pferdes.

Warum die Darmgesundheit beim Pferd mehr ist als eine Verdauungsfrage

Wer denkt, dass die Darmgesundheit beim Pferd nur ein Thema der Verdauung ist, übersieht das größere Bild. Der Magen-Darm-Trakt eines Pferdes ist eines der komplexesten und empfindlichsten Organsysteme im Tier. Er beherbergt nicht nur die Mikroben, die das Raufutter fermentieren, sondern auch den größten Teil des Immunsystems, einen großen Anteil der Serotoninrezeptoren, die Stimmung und Verhalten beeinflussen, und ein verzweigtes Nervensystem, das oft als zweites Gehirn bezeichnet wird.

Eine gestörte Darmgesundheit zeigt sich daher selten nur als Verdauungsproblem. Sie äußert sich in reduzierter Immunabwehr, unerklärlichen Verhaltensänderungen, schlechter Fellqualität, wiederkehrenden leichten Koliken und Problemen mit der Gewichtszunahme. Wer die Darmgesundheit ernst nimmt, investiert in die gesamte Gesundheit und Leistung seines Pferdes.

Die Anatomie des Pferdedarms

Pferde sind ausgeprägte Raufutterfresser. In der Natur grasen sie 16 bis 20 Stunden pro Tag kleine Mengen. Ihr Magen ist mit etwa 10 Litern relativ klein, der Darm aber gewaltig: ein erwachsenes Pferd hat eine Darmlänge von 25 bis 30 Metern.

Die Verdauung läuft in mehreren Phasen ab:

  • Magen: hauptsächlich enzymatische Verdauung von Eiweiß und Kohlenhydraten. Der Magen produziert kontinuierlich Magensäure, auch wenn das Pferd nicht frisst.
  • Dünndarm: Aufnahme der verdauten Nährstoffe, Fette, Proteine und löslichen Kohlenhydrate.
  • Blinddarm und Dickdarm: mikrobielle Fermentation von Cellulose. Hier leben Milliarden Bakterien, Pilze und Protozoen, die die Cellulose zu kurzkettigen Fettsäuren abbauen, der Hauptenergiequelle des Pferdes.

Der Dickdarm ist der empfindlichste Teil. Ein gestörtes Mikrobiom im Dickdarm ist die Grundlage der meisten Verdauungsprobleme beim Pferd.

Magengeschwüre beim Pferd vorbeugen: das Magensäureproblem

Bevor wir den Dickdarm betrachten, muss der Magen besprochen werden. Magengeschwüre beim Pferd sind epidemisch: Studien zeigen, dass bis zu 90 Prozent der Sportpferde und 50 bis 60 Prozent der Freizeitpferde Magengeschwüre haben, von milder bis schwerer Ausprägung.

Der Magen eines Pferdes produziert kontinuierlich Magensäure, unabhängig davon, ob das Pferd frisst. In der Natur nimmt das Pferd den ganzen Tag über kleine Mengen Raufutter auf, wodurch der Magen stets einen Puffer aus Futter und Speichel hat. Speichel enthält Bikarbonat und neutralisiert die Säure. Im modernen Haltungsmodell mit zwei oder drei großen Mahlzeiten pro Tag und Stunden ohne Futter steht der Magen regelmäßig leer und ist der Säure ausgeliefert.

Um Magengeschwüre vorzubeugen, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Unbegrenzt Heu oder Stroh verfügbar, auch nachts
  • Den Anteil an Kraftfutter in der Ration reduzieren
  • Stress reduzieren durch Sozialkontakte und freie Bewegung
  • Luzerne als Magenpuffer einsetzen bei Pferden mit erhöhtem Risiko
  • Horse Tonic PH zur Unterstützung des Magen-pH-Werts bei empfindlichen Pferden in Betracht ziehen

Das Darmmikrobiom: ein Ökosystem in deinem Pferd

Der Dickdarm eines Pferdes beherbergt ein Ökosystem von beeindruckender Komplexität. Wissenschaftler schätzen, dass dort mehr als 700 verschiedene Mikroorganismenarten leben. Gemeinsam fermentieren sie die Rohfasern, die das Pferd nicht selbst verdauen kann, und produzieren dabei kurzkettige Fettsäuren, die bis zu 70 Prozent des Energiebedarfs des Pferdes decken können.

Dieses Mikrobiom ist nicht statisch. Es reagiert permanent darauf, was das Pferd frisst, auf Stress, Medikamente und die Umgebung. Ein gesundes Mikrobiom zeichnet sich durch hohe Diversität aus: viele verschiedene Bakterienarten, jede spezialisiert auf bestimmte Faserarten oder Funktionen. Ein gestörtes Mikrobiom ist oft arm an Diversität und wird von einigen wenigen Arten dominiert, die nicht unbedingt günstig sind.

Faktoren, die das Mikrobiom belasten:

  • Plötzlicher Futterwechsel oder zu schneller Übergang auf Frühjahrsweide
  • Hoher Anteil Stärke und Zucker im Kraftfutter
  • Antibiotika-Therapie ohne probiotische Begleitung
  • Chronischer Stress, etwa durch Boxenhaltung ohne Kontakt
  • Längere Phasen ohne Raufutter

Erste Anzeichen einer gestörten Darmgesundheit

Eine gestörte Darmgesundheit zeigt sich oft schon lange, bevor schwere Symptome auftreten. Achte auf diese Warnsignale:

  • Stumpfes Fell trotz guter Ration
  • Reduzierter Appetit oder langsames Anfressen
  • Wässriger oder unregelmäßiger Kotabsatz
  • Wiederkehrende leichte Koliksymptome nach dem Training
  • Empfindlichkeit am Bauchgurt beim Putzen
  • Konditionsverlust trotz angepasster Fütterung
  • Verhaltensänderungen wie Reizbarkeit oder Antriebslosigkeit

Praktischer Plan für eine bessere Darmgesundheit

Die Grundregeln sind einfach, aber konsequent umzusetzen:

  1. Raufutter zuerst. Mindestens 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Auf mehrere Portionen verteilen, idealerweise mit Heunetz für langsamere Aufnahme.
  2. Kraftfutter dosieren. Pro Mahlzeit nicht mehr als 1,5 bis 2 Kilogramm Kraftfutter. Lieber drei kleine als zwei große Portionen.
  3. Übergänge langsam machen. Jeder Futterwechsel über mindestens 10 Tage durchführen. Beim Übergang auf Frühjahrsweide gestaffelt vorgehen.
  4. Stress reduzieren. Mehr Auslauf, Kontakt zu Artgenossen, regelmäßiger Tagesablauf. Mentale Belastung beeinflusst das Mikrobiom direkt.
  5. Gezielte Ergänzung. Bei empfindlichen Pferden Horse Tonic PH als Magenpuffer und Tonic als Basisversorgung mit Vitaminen, Mineralien und Adaptogenen einsetzen.

Wann ein Tierarzt nötig ist

Bei wiederkehrenden Koliken, deutlichem Konditionsverlust oder Verdacht auf Magengeschwüre immer einen Tierarzt einbeziehen. Eine Gastroskopie kann Magengeschwüre direkt darstellen, eine Kotuntersuchung gibt Hinweise auf das Mikrobiom. Ergänzungsfutter unterstützt die Therapie, ersetzt sie aber nicht.

Fazit

Darmgesundheit beim Pferd ist kein Randthema, sondern die Grundlage für Leistung, Immunabwehr und Wohlbefinden. Mit ausreichend Raufutter, dosiertem Kraftfutter, ruhigem Tagesablauf und gezielter Ergänzung sorgst du für ein stabiles Mikrobiom und einen widerstandsfähigen Magen-Darm-Trakt. Wer die Verdauung pflegt, pflegt das ganze Pferd.

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