Die FEI-Regelung und was sie wirklich bedeutet
Für jeden Reiter, der im Wettkampfsport unter FEI-Reglement aktiv ist, ist das Thema dopingfreie Supplemente für Pferde mehr als nur eine Fußnote. Es ist eine ernsthafte Verantwortung. Die FEI verfolgt das Prinzip der strikten Haftung: Wird bei deinem Pferd ein verbotener Stoff nachgewiesen, bist du verantwortlich. Unwissenheit ist keine Entschuldigung. Eine unbeabsichtigte Kontamination hat dieselben Konsequenzen wie vorsätzliches Doping.
Das klingt streng, aber es ist auch fair: Die FEI kann schließlich nicht sehen, ob jemand versehentlich oder vorsätzlich gehandelt hat. Was sie jedoch tun kann, ist, Reitern die Werkzeuge an die Hand zu geben, um sich selbst zu schützen. Und das beginnt bei der Auswahl der Supplemente.
Die Verbotsliste: mehr als 700 Substanzen
Die FEI-Liste der verbotenen Substanzen wird jährlich aktualisiert und enthält mehr als 700 Substanzen, unterteilt in verbotene Substanzen und nachweisbare Substanzen mit maximalen Schwellenwerten. Die Liste umfasst nicht nur klassische Leistungssteigerungsmittel wie anabole Steroide und Beta-2-Agonisten, sondern auch viele Substanzen, die in gewöhnlichen Supplementen oder Kräutern vorkommen.
Einige Beispiele für Substanzen, die Reiter überrascht haben:
- Capsaicin: vorhanden in einigen Wärmesalben und Kräutertees. Verboten, weil es auf die Nervenenden in der Haut wirkt.
- Theophyllin: vorhanden in Tee-Extrakten, die in einigen Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden.
- Betain: in bestimmten Konzentrationen verboten, während es auch in Rüben und bestimmten Pferdefuttermitteln vorkommt.
- Hordenin: vorhanden in Gerstensprossen und einigen Kraftfuttermischungen.
Welche Supplemente sind FEI-zugelassen? Diese Frage hat keine einfache Ja/Nein-Antwort auf Zutatenebene. Was zählt, ist, ob das Endprodukt nachweisbar frei von verbotenen Substanzen ist, in den Konzentrationen, die nachweisbar sind.
Das Problem mit nicht getesteten Supplementen
Die überwiegende Mehrheit der Supplemente auf dem Markt wird nicht auf FEI-verbotene Substanzen getestet. Das bedeutet nicht, dass sie verbotene Substanzen enthalten, aber es bedeutet, dass du es nicht weißt. Und im FEI-Kontext ist „Ich wusste es nicht“ keine Verteidigung.
Die Risiken sind real:
- Kreuzkontamination: Hersteller, die auch humane Sportnahrung oder Produkte für andere Tierarten herstellen, riskieren eine Kontamination in gemeinsamen Produktionsanlagen.
- Unreine Rohstoffe: Kräuterextrakte enthalten von Natur aus variable Mengen an aktiven Substanzen. Eine Baldrian-Charge kann mehr aktive Verbindungen enthalten als eine andere.
- Falsche Kennzeichnung: Einige Hersteller listen nicht alle Zutaten vollständig auf oder verwenden Handelsnamen für Substanzen, die unter einem anderen Namen auf der Verbotsliste stehen.
- Lagerungsprobleme: Bei falscher Lagerung können Substanzen in Supplementen umgewandelt oder kontaminiert werden.
Was „FEI-zugelassen“ wirklich bedeutet
Ein Missverständnis, das weit verbreitet ist: Die FEI genehmigt keine Supplemente in dem Sinne, dass es ein offizielles Gütesiegel gäbe. Was existiert, ist ein System, bei dem Hersteller ihre Produkte von anerkannten Laboratorien testen lassen können. Die FEI Clean Sport-Website bietet eine Datenbank von Supplementen, die getestet wurden, aber dies ist kein offizielles Zulassungssystem. Es ist ein Hilfsmittel.
Was FEI-zugelassene Supplemente in der Praxis bedeuten, ist, dass das Produkt nachweisbar auf das Vorhandensein von Substanzen auf der Verbotsliste getestet wurde und dass keine dieser Substanzen über den geltenden Schwellenwerten nachgewiesen wurde. Das Laborzertifikat ist der Beweis.
Ein Produkt, das dieses Zertifikat nicht hat, kann dein Pferd dennoch einem positiven Test aussetzen. Ein Produkt, das dieses Zertifikat hat, bietet keine 100%ige Garantie (die Chemie ist zu komplex für absolute Sicherheit), verringert das Risiko aber deutlich und zeigt, dass du als Reiter die gebotene Sorgfalt walten lässt.
Batch-Testing: Warum es pro Charge sein muss
Selbst wenn ein Hersteller sein Produkt einmalig getestet hat, ist das kein Garant für zukünftige Chargen. Bei Rohstoffen kann der Lieferant wechseln, Produktionsbedingungen können schwanken. Seriöse Hersteller testen jede Charge einzeln.
Horse Tonic dokumentiert die Zusammensetzung jeder Produktionscharge seiner Supplemente und stellt Details auf Anfrage zur Verfügung. Das ist das Maß an Transparenz, das Wettkampfreiter von einem Lieferanten erwarten dürfen. Prüfe vor jedem Wettkampf trotzdem immer selbst die aktuellen FEI-Regeln.
Praktische Schritte für eine risikoarme Supplementierung
Welche Supplemente FEI-zugelassen sind, ist letztlich eine Frage, die du für jedes Produkt einzeln beantworten musst. So gehst du dabei vor:
- Fordere das Batchzertifikat an: Jeder seriöse Lieferant kann es liefern. Gibt es kein Zertifikat, kauf woanders.
- Überprüfe das Labor: Das Testlabor muss akkreditiert sein. Namen wie LGC, Eurofins oder akkreditierte veterinärmedizinische Labore sind vertrauenswürdig. Hauslabore ohne Akkreditierung zählen nicht.
- Bewahre die Zertifikate auf: Lege sie pro Charge ab, zusammen mit deinem Kaufnachweis. Kommt es je zu einer Kontrolle, hast du die Unterlagen.
- Nutze die FEI Clean Sport-Datenbank: Auf horsesport.org/clean-sport kannst du überprüfen, ob ein Produkt als getestet registriert ist.
- Sei vorsichtig mit neuen Produkten kurz vor einem Wettkampf: Setze zwei Wochen vor einem Wettkampf kein neues Supplement mehr an, das du noch nicht kennst. Gib kurz vor dem Start kein Produkt, das du noch nie zuvor verwendet hast.
- Verwende keine humane Sportnahrung für dein Pferd: Proteinpulver, Pre-Workouts und andere humane Sportnahrung sind nicht für die Anwendung bei Pferden geprüft und enthalten regelmäßig Substanzen, die bei Pferden verboten sind.
Was tust du, wenn dein Pferd positiv getestet wird?
Es ist ein Szenario, das niemand will, aber es zu kennen ist nützlich. Bei einem positiven Test erhält der verantwortliche Reiter die Chance, zu beweisen, dass er vernünftige Sorgfalt walten ließ. Das wird „kein Fehler oder Fahrlässigkeit“ oder „kein erheblicher Fehler“ genannt und kann zu einer Verringerung der Sanktion führen. Batchzertifikate, Kaufnachweise und dokumentierte Supplementierungspraktiken sind in einem solchen Fall dein stärkstes Argument.
Ohne diese Unterlagen ist deine Position deutlich schwächer. Bewahre alles auf.
Der Reputationsschaden eines positiven Tests
Neben sportlichen Sanktionen richtet ein positiver Dopingtest auch einen Reputationsschaden an. In einer kleinen Gemeinschaft wie dem Pferdesport verbreitet sich diese Nachricht schnell. Sponsoren ziehen sich zurück, Reiter werden von Stallbesitzern gemieden, und die Kombination aus Sperre und Reputationsschaden kann eine Karriere dauerhaft beschädigen. Die Investition in getestete, zertifizierte Supplemente ist minimal im Vergleich zu dem, was auf dem Spiel steht.
Die Zukunft: sauberer Sport durch bessere Werkzeuge
Die FEI investiert immer mehr in Bildung und Detektionstechnologie. Analysemethoden werden empfindlicher; Substanzen, die vor fünf Jahren noch nicht nachweisbar waren, sind es jetzt. Das bedeutet, dass Produkte, die in der Vergangenheit „sicher“ schienen, heute ein Risiko darstellen können, wenn sie bestimmte Substanzen enthalten, die jetzt nachweisbar sind.
Dies ist ein Grund mehr, nur mit Lieferanten zu arbeiten, die in Batch-Überwachung investieren und ihre Zertifikate auf dem neuesten Stand halten, während sich die Teststandards weiterentwickeln.
Die Kombination von Artico Gold (Gelenke) und ZEN (Beruhigung) von Horse Tonic bietet Reitern klar deklarierte Rezepturen für zwei der meistgesuchten Kategorien, ohne Kompromisse bei Qualität oder Transparenz. Prüfe vor dem Wettkampf immer die aktuellen FEI-Regeln.
Zusammenfassung: deine dopingfreie Supplement-Checkliste
- Verwende ausschließlich Supplemente mit Batchzertifikat eines akkreditierten Labors
- Bewahre Zertifikate und Kaufnachweise systematisch auf
- Nutze die FEI Clean Sport-Datenbank
- Setze 14 Tage vor einem Wettkampf keine neuen Supplemente mehr an
- Verwende keine humane Sportnahrung für dein Pferd
- Frag deinen Lieferanten nach dem Testprotokoll, nicht nur nach dem Etikett
- Wisse, dass strikte Haftung gilt: Deine Sorgfalt schützt dich
Neue Supplemente und die Sicherheitsfrist
Eine goldene Regel im Turniersport: Führe nie ein neues Supplement innerhalb von zwei Wochen vor einem Wettkampf ein. Selbst wenn das Produkt ein hervorragendes Batchzertifikat hat, weißt du nicht, wie dein Pferd darauf reagiert und wie lange eine Substanz in seinem System vorhanden bleibt. Die Ausscheidungszeiten unterscheiden sich je nach Substanz und je nach Individuum.
Bei der Einführung eines neuen Produkts außerhalb der Saison hast du die Zeit, es auf Sicherheit und Wirksamkeit zu bewerten, ohne das Risiko einer Wettkampfkontrolle in der ersten Anwendungsperiode. Das ist auch der Zeitraum, in dem du das Batchzertifikat anforderst und archivierst.
Kräuter und natürliche Produkte: extra Vorsicht
Kräuter werden oft als „natürlich“ und daher „sicher“ angesehen. Dies ist eine gefährliche Annahme im FEI-Kontext. Baldrian, Arnikaextrakt, cannabisbezogene Cannabinoide, Weidenrinde (Salicylate) und selbst bestimmte Lavendel- und Kamillenextrakte enthalten Substanzen, die bei Pferdekontrollen nachweisbar sind.
Die Faustregel: Wenn es eine biologisch aktive Substanz enthält, die eine Wirkung auf Verhalten, Schmerz oder Erholung hat, geh davon aus, dass es für den Wettkampfeinsatz getestet werden muss. „Auf Kräuterbasis“ und „biologisch“ sind keine Synonyme für „FEI-sicher“.
Welche Supplemente sind FEI-zugelassen, auch wenn sie Kräuter enthalten? Diese Frage kann nur beantwortet werden mit einem Batchzertifikat eines akkreditierten Laboratoriums, das gezielt auf die von der FEI verbotenen Substanzen geprüft hat. Nicht auf Basis des Etiketts oder der Produktbeschreibung.
Der Unterschied zwischen FEI und nationalem Niveau
Reiter, die ausschließlich auf nationalem Niveau aktiv sind, fallen unter die Regeln des nationalen Verbands (in Belgien: KBRSF). Diese Regeln basieren auf den FEI-Standards, können aber leicht in Schwellenwerten oder Verfahren abweichen. In den meisten Fällen sind die FEI-Regeln strenger, also wer FEI-konform arbeitet, ist auch national sicher. Überprüfe aber die nationale Regelung für deine Disziplin, wenn du nur national startest.
Tierärztliche Medikation versus Supplemente: eine klare Unterscheidung
Ein Missverständnis, das regelmäßig zu Problemen führt: Die Verwechslung zwischen tierärztlicher Behandlung und Supplementation. Medikamente, die dein Tierarzt zur Behandlung verschreibt, zum Beispiel nicht-steroidale Entzündungshemmer, Antibiotika oder Sedativa, sind grundsätzlich wettkampfrelevant und erfordern eine Karenzzeit vor dem Start. Dein Tierarzt kennt diese Fristen oder kann sie beim Hersteller anfordern.
Supplemente sind keine Medikamente; sie unterstützen die Grundphysiologie. Aber auch Supplemente können Spuren von Substanzen enthalten, die bei der Behandlung verwendet werden, wenn Hersteller nicht ausreichend trennen. Dies unterstreicht nochmals die Bedeutung von Batchzertifikaten.
Sprich mit deinem Verbandstierarzt oder FEI-Kontakt
Bei Zweifeln über ein spezifisches Produkt ist der direkteste Weg, Kontakt mit der FEI-Verbindungsperson des nationalen Verbands oder mit dem FEI Clean Sport-Helpdesk aufzunehmen. Dort kannst du dich beraten lassen, ob eine bestimmte Substanz oder ein Produkt zulässig ist. Nutze auch die offizielle FEI Clean Sport-App, mit der du Substanzen auf verdächtigen oder verbotenen Status prüfen kannst.
Sei nicht zu schüchtern zu fragen: Besser eine Frage zu viel als eine Sperre, die deine Sportkarriere schädigt.