Skip to content
Wissensdatenbank
Gesundheit9 min Lesezeit

Hufrehe beim Pferd: Ursachen, Symptome und Prävention im Sommer

Hufrehe erreicht im Sommer durch zuckerreiches Gras ihren Höhepunkt. Erfahre, wie du die ersten Anzeichen erkennst, warum Darm und Stoffwechsel zentral sind und wie du dein Pferd durch Management und gezielte Unterstützung schützt.

Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut, die im Sommer durch zuckerreiches Weidegras stark zunimmt. Sie ist ein Notfall: Bei den ersten Anzeichen zählt jede Stunde. Dieser Artikel erklärt, wie Hufrehe entsteht, wie man sie früh erkennt und wie man das Risiko durch kluges Weidemanagement und gezielte Fütterung senkt.

Was ist Hufrehe genau?

Im Huf verbindet die Lederhaut (Lamellen) das Hufbein mit der Hufwand. Bei Hufrehe entzünden sich diese Lamellen und werden geschwächt. In schweren Fällen verliert das Hufbein seinen Halt und rotiert oder sinkt ab, was bleibende Schäden verursacht. Die Erkrankung ist schmerzhaft und kann ein Pferd innerhalb von Tagen lahm machen.

Die meisten Sommerfälle entstehen nicht im Huf selbst, sondern im Darm und im Stoffwechsel. Zu viel Zucker und Fruktan aus jungem, schnell wachsendem Gras stören die Darmflora. Dabei werden Entzündungsmediatoren freigesetzt, die über den Blutkreislauf die empfindlichen Lamellen im Huf angreifen.

Symptome der Hufrehe

  • Steifer, vorsichtiger Gang, besonders auf hartem oder steinigem Untergrund
  • Die typische Sägebockstellung: Vorderbeine nach vorne gestellt, Gewicht nach hinten verlagert
  • Warme Hufe und ein fühlbarer Puls am Kronrand
  • Unwilligkeit, sich zu bewegen, zu wenden oder einen Huf anzuheben
  • Häufigeres Liegen als sonst
  • Druckempfindlichkeit bei der Untersuchung mit der Hufzange

Beobachtest du mehrere dieser Anzeichen gleichzeitig? Ruf sofort deinen Tierarzt und nimm das Pferd vom Gras. Hufrehe ist keine Erkrankung, bei der man abwarten sollte.

Warum der Sommer die Hochsaison ist

Gras bildet unter Sonneneinstrahlung Zucker und speichert ihn als Fruktan. An sonnigen Tagen nach kalten Nächten, typisch im Spätfrühling und Sommer, kann der Fruktangehalt stark ansteigen. Ein Pferd, das in dieser Zeit unbegrenzt weidet, bekommt eine Zuckerbombe verabreicht, die den Dickdarm überlastet. Besonders Ponys, ältere Pferde und Tiere mit Übergewicht oder EMS (equines metabolisches Syndrom) haben dann ein großes Risiko.

Die Rolle von Darm und Stoffwechsel

Eine gesunde Darmflora fängt Schwankungen im Futter ab. Gerät die Flora durch einen Zuckerüberschuss aus dem Gleichgewicht, sinkt der pH-Wert im Dickdarm und nützliche Bakterien sterben ab. Dabei werden Toxine und Entzündungsmediatoren freigesetzt, die die Lamellen im Huf schädigen. Ein stabiler Darm und eine gut funktionierende Leber sind daher die Basis der Hufrehe-Prävention. Lies auch unseren Artikel über Darmgesundheit bei Pferden für den weiteren Kontext.

Prävention: die Saison sicher durchstehen

Begrenze die Weidezeit in Risikophasen. Vermeide Weidegang an sonnigen Tagen nach kalten Nächten, wenn der Fruktangehalt am höchsten ist. Lass das Pferd lieber früh am Morgen weiden, nicht am Nachmittag.

Verwende eine Fressbremse. Eine gut sitzende Fressbremse reduziert die Grasaufnahme um die Hälfte bis auf ein Viertel, ohne dass das Pferd von der Weide genommen werden muss.

Halte das Gewicht unter Kontrolle. Übergewicht ist der größte Risikofaktor. Ein Pferd mit dickem Mähnenkamm und Fettdepots hinter den Schultern hat ein erhöhtes Hufrehe-Risiko. Bewege es täglich und wiege das Futter ab.

Wähle faserreiches, zuckerarmes Raufutter. Lass Heu bei Bedarf analysieren oder wässere es, um den Zuckergehalt zu senken, und ergänze Stroh für zusätzliche Struktur.

Welche Unterstützung hilft

Leber- und Stoffwechselunterstützung. Tonic unterstützt die Leber, die bei hohen Futterrationen und Zuckerüberschuss schnell überlastet wird. Eine gut funktionierende Leber verarbeitet Abfallstoffe effizienter und senkt das Entzündungsniveau, was bei Risikopferden ein wichtiges Präventionsziel ist.

Darm- und pH-Gleichgewicht. PH unterstützt die Säurebalance und die Darmflora, genau dort, wo ein Hufreheschub oft beginnt. Indem du den Dickdarm stabil hältst, fängst du Zuckerspitzen besser ab. Gib es am besten dauerhaft während der Weidesaison, nicht erst nach den ersten Beschwerden.

Vermeide dopingrelevante Schmerzmittel bei Turnierpferden. Einige entzündungshemmende Kräuter stehen auf der FEI-Verbotsliste. Lies unseren Artikel über FEI-Dopingregeln für die sichere Auswahl.

Wann zum Tierarzt

Ruf sofort deinen Tierarzt, wenn:

  • Dein Pferd plötzlich lahm ist oder sich nicht bewegen will
  • Die Hufe warm sind und der Puls am Kronrand klopft
  • Das Pferd die typische Sägebockstellung einnimmt
  • Eine frühere Hufrehe zurückkehrt, auch bei milden Anzeichen

Der Tierarzt beurteilt den Schweregrad, verschreibt Schmerzlinderung und Entzündungshemmung und berät zu orthopädischem Beschlag oder Boxenruhe. Eine schnelle Behandlung ist entscheidend für die Genesung und verhindert bleibende Schäden am Hufbein.

Fazit

Hufrehe ist weitgehend vermeidbar. Kluges Weidemanagement, Gewichtskontrolle und ein stabiler Darm bilden zusammen den besten Schutz. Beginne mit der Prävention zu Beginn der Weidesaison, nicht erst bei den ersten Anzeichen, und denk in Jahreszeiten: Der Sommer erfordert erhöhte Wachsamkeit. Unterstütze Leber und Darm dauerhaft und nimm dein Pferd im Zweifel sofort vom Gras.

Entdecke weitere Artikel in unserer Wissensdatenbank oder lies weiter über die Rolle des Darms bei Pferden.

Verwandte Produkte